
Ein Routennetz der stillen Wege
Von Neuenhagen nach Werneuchen - An der Erpe
18,4 km Wanderzeit: 4:42 h
Start: Bahnhof: Neuenhagen Rückfahrt: Bahnhof Werneuchen

Die Erpe ist ein scheuer Fluss. Doch nährt sein Wasser jenes grüne Band, das dich an diesem Tag verzaubern wird: Das Gras blüht dort ein wenig höher und die Weiden neigen ihre Zweige tiefer.
Neuenhagen kaum verlassen, findest du dich im Wiesengrund – eine weite, feuchte Mulde, mit dem Bach in seiner Mitte. Drüben, im verträumten Elisenhof, hältst du vielleicht inne. Ab hier, so scheint es, darf nun alles anders sein.
Durch die Stadt Altlandsberg laufend, überrascht am Ende ein pompöser Kreuzteich mit barockem Schlosspark – dessen Wasser, ganz bescheiden, von der kleinen Erpe stammt.
Hier lohnt ein Halt, denn gleich einem Theater, hebt sich bald der Vorhang - für den zweiten Akt des Wanderns.
Szenenwechsel: Tief in einem Auwald am Langen Elsenfließ, so heißt die Erpe jetzt, dämmern Waldseen im Dornröschenschlaf. Der Pfad wird schattig, die Luft so kühl. Irgendwo wartet ein Frosch auf deinen Kuss.
Ein weiter Feldweg nach Werneuchen hellt die Stimmung auf, doch klingt die Wanderung nun langsam aus.
„Dämmerung liegt auf der Dorfstraße. Die Spielgefährten schlüpfen rechts und links in Hof und Türe, während unsere Freunde vor der Pfarre halten. Die Sterne ziehen herauf, und es wird still in Dorf und Haus.“*
+ Mehrere Einkehrmöglichkeiten in Atlandsberg (Armenaus nach 7,12 km, Restaurant Brauhaus im Schlossgut nach 7,7 km)
- Erste 1,5 km bis zum Stadtrand von Neuenhagen führen durch Siedlungsgebiet.
- Kein Badesee.
+ Es gibt auch eine längere Version dieser Wanderung mit 21,4 km Gesamtlänge.
Diese startet früher, an der S-Bahnstation Hoppegarten (statt Neuenhagen)
mit einem schönen zusätzlichen Wegstück an der Erpe.
* Fontane, Theodor. Wanderungen durch die Mark Brandenburg.
Vierter Teil: Spreeland. Kapitel „Werneuchen“. Berlin: Wilhelm Hertz, 1882,
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Von Lindow nach Gransee - Mit Schloss Meseberg
19,2 km Wanderzeit: 4:59 h
Start: Bahnhof Lindow Rückfahrt: Bahnhof Gransee

„Lindow ist so reizend wie sein Name. Zwischen drei Seen wächst es auf und alte Linden nehmen es unter ihren Schatten. … Die Seele hat ihren rechten Frieden dort, wo … Gräberreihen sich auf- und abziehen; des Sommerabends süße Ruh umschwebt die halbzerfallenen Grüfte.“ *
Der Schatten wird viel dichter, wenn der Wutzsee vor dir liegt wie ein Gedanke, dem du nachgehst.
Das Lindower Rhin an seinem Ende, wird zum Übergang: Ein Tal aus Wald und Wiesen, bis zur andern Seite.
Drüben, am Huwenowsee regiert Schloss Meeseberg an manchen Tagen.
Eine Rast am See oder im Dorfkrug kann nicht schaden.
Kein See und keine Sorgen mehr, weite Felder und tiefe Wälder sind der zweiten Hälfte eigen.
Ein Glockenschlag von einem Turm aus Gransee, oder doch nur eine Erinnerung?
Das Leben holt dich wieder ein. So wie ein Bahnhof, der zur Abreise ruft - nicht immer wie ein Ende, auch mal wie der Anfang einer neuen Geschichte.
Die Klosterruine Lindow
+ Badestellen: nach 4 km im Wutzsee und nach 10,2 km im Huwenowsee.
+ Nach 11,2 km TOP Einkehrmöglichkeit im Dorfkrug Meseberg.
* Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Die Grafschaft Ruppin.
Kapitel „Lindow“. Berlin: Wilhelm Hertz, 1862.
Von Hennickendorf nach Beelitz - An der Nieplitz
19,2 km Wanderzeit: 4:50 h
Start: Bushaltestelle Hennickendorf (Hauptstraße
Rückfahrt: Bahnhof Beelitz

Vielleicht war es die Pfefferminze, die an seinen Ufern blühte und dem Fließ den Namen gab.
Das Pfefferfließ ist ein magisch stiller Ort: morastig, von Rinnsalen durchzogen,
eine Sichtachse schweift ins Unendliche, und die Stille ist von seltener Wucht.
Und als wäre das nicht genug, wartet in einem zweiten Akt der Pfeffergraben -
der kleine Bruder, der sich Mühe gibt, das Gesehene zu überbieten.
Eine Bank mit Blick auf einen namenlosen See zur Linken– setz dich.
Ein friedlicheres Panorama wirst du so bald nicht wieder finden. Es wird dir bleiben.
Noch ein kleiner Streifzug durch die Wiesen- und Tümpelgesellschaft von heute und du stehst an der Nieplitz.
Von nun an geht sie neben dir, bis Beelitz: Kein Fluss, der drängt – ein Wasser, das den Schritt verlangsamt. Feuchte Wiesen, Schilfgürtel, Kanäle - sie zeichnen die Niederung.
Zum Ende führt sie in den Stadtpark, aus dem du durch die Spargelstadt zum Bahnhof kommst.
+ Ziemlich einsame Route.
- Keine Bademöglichkeit.
* Das Pfefferfließ ist ein rund 12 km langer Zufluss der Nieplitz durchs Baruther Urstromtal. Die Nieplitz ist mit rund 50 km der längste Nebenfluss der Nuthe.
Vom Wolletzsee nach Angermünde - Grumsiner Buchenwälder
19,5 km Wanderzeit: 5:09 h
Start: Bushaltestelle Am Wolletzsee
Rückfahrt: Bahnhof Angermünde

„ ... rundum von alten Buchen eingefaßt, deren Zweige, von ihrer eigenen Schwere nach unten gezogen, den See mit ihrer Spitze berühren.“ *
Fontane schrieb dies vom Stechlinsee – doch die Buchen von Grumsin erzählen eine ähnliche Geschichte, vielleicht noch inniger.
Schon der Auftakt am Südufer des Wolletzsees verheißt ein Fest der Sinne: das Flüstern der Buchenblätter, das silberne Aufblitzen des Wassers zwischen den Stämmen und die welligen Felder, einsam bis zum Horizont. Ein Tag, wie ihn die Mark in ihrer schönsten Stunde schenkt.
Ein Kastanienweg leitet über, in das beschauliche Altkünkendorf.
Von hier zieht sich die alte Straße, holpernd und ehrwürdig, hinein in den nächsten Buchenforst.
Zwischen Moos und Farn ruht das Moor am Buckow-See – dunkel, spiegelnd, von uralten Stämmen bewacht. Ein paar gefallene Riesen liegen da wie im Schlaf, und über allem schwebt jene stille, träumerische Luft, die Fontane „märkisch“ genannt hätte.
Hinter den Höhen öffnet sich das Land, und ein sandiger Feldweg geleitet dich über sanfte Wellen hinüber nach Angermünde.
+ Bademöglichkeit zu Beginn, entlang des Wolletzsee und nach 6,9 km im Heiligen See
+ An bestimmten Zeiten hat die Galerie & Café Louisenhof No2 bei km 11,8 offen.
- Letzte zwei Kilometer durch Angermünder Vorstadt.
* Theodor Fontane: Der Stechlin. Berlin, 1898.
Die Buchenwälder gehören teils zum Unesco Weltnaturerbe „Alte Buchenwälder Deutschland“ Teilgebiet Grumsin.
Von Wußwerk nach Raddusch - Spreewald
20,4 km Wanderzeit: 5:09 h
Start: Bushaltestelle: Wußwerk, Feuerwehr Rückfahrt: Bahnhof Raddusch

„Hier ist die Heimat der Kähne; sie gleiten unter Erlen und Weiden dahin, als suchten sie den Schlaf, nicht das Ziel.“*
Ein Weg über weites Land, von Wasseradern durchzogen, bildet den Auftakt.
Bald erreichst du den großen Nordumfluter, wo sich der Horizont in Spiegelungen verliert und der Wald dich aufnimmt – still, dicht, feierlich.
Am Nordfließ entlang führt der Pfad durch reine Ästhetik: eine Landschaft, die nichts sucht, weil sie schon vollkommen ist.
Dann öffnet sich das Grün, Felder und Lichtungen breiten sich aus wie in einem großen Garten, in dem alles natürlich und doch wie geordnet erscheint.
Überall Wasser: das Neue Fließ, der Mittelkanal, das Weidenfließ, der Burg-Lübbener Kanal – sie alle erzählen dieselbe Geschichte.
Schleusen, Holzbrücken, Feuchtwiesen und schließlich die Spree selbst – das ist der Stoff des Tages.
Wer mit solchen Zutaten wandert, kann eigentlich nichts falsch machen.
+ Besonders schön im Frühling, wenn der Laubwald frische Blätter zeigt.
+ Die Route ist fernab des Rummels von Lübben und Lübbenau, hier dominiert die Stille.
Einkehrmöglichkeiten, unter anderem:
Nach 8,38 km im Waldhotel Eiche
nach 10,9 km im Waldschlößchen
nach 15,4 km im Gasthaus Dubkow-Mühle mit kleinem Biergarten.
- Keine vernünftige Badestelle
* Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Vierter Band: Spreeland.
Berlin: Verlag von Wilhelm Hertz, 1882, Kapitel „In den Spreewald“.“.
Von Thyrow nach Rangsdorf - Am Nuthegraben
20,4 km Wanderzeit: 5:10 h
Start: Bahnhof: Thyrow Rückfahrt: Bahnhof Rangsdorf

Fontane erwähnt, dass er vergeblich nach den schon für ihn legendären Nutheburgen gesucht hat. Die Nutheburgen sind alte, teils sagenumwobene Befestigungen/Orte an der Nuthe, deren genaue Standorte nicht mehr ermittelbar waren.
"Tiefe Stille; nur Wasser und Wiese; kein Floß, kein Kahn; nichts Lebendes, nichts als das weiße Gewölk, das, langsam ziehend, dem langsamen Zuge des Wassers folgt." *
Die Landschaft am Nuthegraben ist ein weites Meer aus Wiesen und Feldern – keine andere Tour schenkt dir so viel Raum zum Atmen. Unter dem Schutz alter Bäume folgst du dem stillen Wasserlauf, am schönsten, wenn die Felder im frischen Grün stehen.
Die Ufer sind ein kleines Fest der Sinne: Ginsterwiesen leuchten, Heuschrecken zirpen, Libellen schwirren. Verlässt du den Kanal, so nur für kurze Zeit – gleich öffnen sich neue Wasserzüge, bis der breite Zülowkanal einen schimmernden Schlussstrich zieht.
Dem Bahndamm folgend, erreichst du Rangsdorf.
+ Einsamkeit pur.
- Keine Einkehrmöglichkeit unterwegs, nur am Ende der Tour in Rangsdorf.
* Fontane, Theodor. Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band 4: Spreeland. Beeskow-Storkow und Barnim-Teltow. Berlin, 1882, Kapitel „Saarmund und die Nutheburgen“.
Von Marienwerder nach Joachimsthal - Am Werbelinkanal
21,1 km Wanderzeit: 5:30 h
Start: Bushaltestelle Marienwerder, Kirche
Rückfahrt: Bahnhof Joachimsthal, Kaiserbahnhof

Kaum den Oder-Havel-Kanal überquert, weist dich ein schmaler Pfad von der Straße hinab ins Idyll.
Der Werbellinkanal geht neben dir her; Seen, Biotope, kleine Orte säumen den Weg. Hin und wieder zieht ein Paddelboot vorüber – geschäftig genug, um zu beleben, leise genug, um nicht zu stören. Welch liebliches Terrain.
Zum letzten Akt weitet sich das Wasser zum großen Werbellinsee; sein Uferweg zieht sich lang. Eine Rast in Altenhof ist angezeigt. Fontane saß hier schon und schwärmte:
"Es ist ein Märchenplatz, auf dem wir sitzen, denn wir sitzen am Ufer des ›Werbellin" *
Mehr Wasser geht nicht. Am oberen Seeende bringt dich das letzte Stück zum Kaiserbahnhof Werbellinsee
+ Viele Badestellen
- Im Sommer ist der Werbelinsee sehr belebt.
*Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Zweiter Teil: Das Oderland. Kapitel „Am Werbellin“. Berlin: Wilhelm Hertz, 1863.
Der Bahnhof wurde 1898 auf Wunsch Kaiser Wilhelms II. gebaut, damit Hof- und Jagdgesellschaften bequem zum Jagdschloss Hubertusstock in der Schorfheide gelangten.